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Blick 30. April 2008

Jonglieren mit Ball und Worten

Von Marcel Hauck

NACHWUCHS - Eine Fussballausbildung absolvieren und gleichzeitig den Berufsschulabschluss nicht vergeigen - das will die Football Academy Zurich ermöglichen. Mit Ottmar Hitzfeld hat sie einen prominenten Fan.

Mattia Desole (bald 15) ist der typische Teenager. Nur Fussball im Kopf. Oldrich Svab, ehemaliger Trainer und Ausbildner von Rekordmeister GC, sagt: «Es gibt eine grosse Zahl von jungen Spielern, die auf die Karte Fussball setzen und dann zwischen Stuhl und Bank fallen.»

Genau deshalb hat Svab gemeinsam mit dem Zürcher Juristen und Sportlehrer René Furrer die Football Academy Zurich ins Leben gerufen, die mit dem Beginn des Schuljahrs 2008/2009 im August ihren Betrieb aufnimmt. In Zusammenarbeit mit der KV Zürich Business School absolvieren die zukünftigen Stars eine vierjährige KV-Lehre. Da diese fünfmal in der Woche am Morgen zwei Stunden zum Fussballtraining gebeten werden, dauert die Ausbildung ein Jahr länger als üblich. Und wenns dann doch nicht zum Star reicht, hat man wenigstens einen Berufsabschluss als Kaufmann im Sack.

Das Projekt überzeugt auch Experten. «Als Athlet kann man sich viel besser auf den Sport und die Ausbildung konzentrieren, da man die Gewähr hat, dass es in jedem Fall gut herauskommt», lobt Genua-Söldner Reto Ziegler (22).

«Wir bieten eine qualitativ hochwertige Bildung und sportliche Förderung an», streicht René Furrer heraus. Sogar eine Berufsmatura sei im Anschluss an die vierjährige KV-Ausbildung möglich. Ein wichtiger Punkt: «Wir wollen die Vereine nicht konkurrenzieren», sagt Furrer. Am Abend trainieren die Junioren in ihren eigenen Klubs und Mannschaften.

«Ich bin nicht dumm», versichert Mattia Desole. Der U15-Nationalspieler und Stiefbruder der GC-Spieler Rolf und Frank Feltscher versuchte sich bereits während eineinhalb Jahren in der Sportschule Oerlikon. Dort gab es keine Klassenstunden, die Schüler waren frei, sich für Prüfungen vorzubereiten und anzumelden. «Ich habe nichts gemacht», sagt er selbstkritisch. Er wechselte zurück in die «normale» Sekundarschule 2a. «Hier ist es aber schwierig, Schulisches und Fussballerisches unter einen Hut zu bringen.» Deshalb interessiert sich Mattia nun für die Football Academy. «Ich habe eben nicht nur Fussball im Kopf», widerspricht der linke Aussenverteidiger der GC-Junioren dem Klischee. «Wenn die schulischen Leistungen nicht stimmen, gibt es Sanktionen», macht Furrer klar.

Fussballerisch bürgt der sportliche Leiter Oldrich Svab für Qualität. «Wir können ein spezifisches Training anbieten, das im Verein häufig zu kurz kommt», erklärt er. Zum Beispiel für Verteidiger, für Stürmer oder Standardsituationen. Geleitet werden die Einheiten von ausgewiesenen Fachleuten wie André «Bigi» Meyer, Salve Andracchio (beide Ex-GC) und Roman Hangartner (Assistent der Frauen-Nati). Von Fall zu Fall werden weitere Fachleute wie Thuns Champions-League-Trainer Urs Schönenberger oder die ehemaligen Nationalgoalies Martin Brunner und Jörg Stiel hinzugezogen. «Ich will nur erfahrene Trainer, die wissen, wie man mit Jugendlichen umgehen muss», sagt Svab.

Bewusst distanziert sich die Zürcher Football Academy von den regionalen Ausbildungszentren des Schweizerischen Fussballverbands.«Bei uns können die Jugendlichen weiterhin zuhause wohnen und in ihrem Verein trainieren», betont Furrer. Ein Aspekt, der vom designierten Schweizer Naticoach Ottmar Hitzfeld voll und ganz unterstützt wird. «Das Konzept löst eines der grössten Probleme der Nachwuchsförderung. Junge Sportler haben die Möglichkeit, sich in vertrauter Umgebung und unter fachlicher Führung optimal auf ihren Sport sowie das spätere Berufsund Erwachsenenleben vorzubereiten», lobt der Erfolgstrainer von Bayern München.

Ein Problem könnte für viele interessierte Nachwuchsfussballer die Finanzierung sein. Mit 78 000 Franken (alle vier Jahre zusammen) ist der Besuch der Football Academy Zurich nicht ganz billig. René Furrer betont jedoch, dass darin viele Leistungen inbegriffen sind, die in anderen Sportschulen oder Ausbildungsangeboten nicht enthalten sind. Dazu gehören die hochkarätigen Trainer, das Bereitstellen des Trainingsmaterials, regelmässige Gesundheitschecks in der Sport Clinic Zürich mit GC-Präsident Roger Berbig oder die Unterstützung durch einen Sportpsychologen. Furrer wünscht sich, dass Vereine ihre talentierten Junioren auch finanziell unterstützen. Damit junge Menschen wie Mattia nicht zwischen Stuhl und Bank fallen.