Diese Seite drucken

Neue Zürcher Zeitung 18.4.2008

Beruf und Fussball unter einen Hut bringen

Eine neue Sportschule in Zürich

rwk. Vor einer Woche bewilligte der Regierungsrat die «Football Academy Zurich» als Privatschule. Ab dem kommenden Schuljahr können Fussball-talentierte Jugendliche in einem vierjährigen Lehrgang eine KV-Lehre absolvieren sowie sportlich auf eine Laufbahn als Profi vorbereitet werden, wie die Initianten gestern an einer Pressekonferenz erläutert haben. Partner der Football Academy ist die KV Business School am Escher-Wyss-Platz. Hier werden die Fussballer und Fussballerinnen kaufmännisch ausgebildet. Laut René Furrer, Vorsitzender der Geschäftsleitung und Sportlehrer am KV, gibt es auf der Maturitätsstufe zahlreiche Möglichkeiten für sportliche Förderung, in der Berufsbildung existiert ein solches Angebot nicht. Von der United School of Sports, wo Lernende ihre Sportart ebenfalls intensiv trainieren und eine Ausbildung zur Kauffrau oder zum Kauffmann erhalten, unterscheide sich die Football Academy dadurch, dass alle Lernenden dieselbe Sportart betreiben würden. Zudem könnten Fussballklubs, die weniger als elf talentierte Jugendliche hätten, im Gegensatz zur Football Academy nie ein Mannschaftstraining auf diesem hohen Niveau absolvieren, sagte Furrer.

Wie Maria Hafner, Prorektorin der KV Business School, betonte, liessen sich die berufliche und die sportliche Ausbildung nur durch die Verlängerung der Lehre von drei auf vier Jahre vereinen. Die ersten zwei Jahre gelten der fachlichen Schulung, die mit einer vorgezogenen Lehrabschlussprüfung (LAP) in gewissen Fächern abgeschlossen wird. Darauf folgen drei Semester Teilzeitpraktikum in einem Betrieb. Im letzten Semester werden die Lernenden intensiv auf die LAP vorbereitet - körperlich und geistig. Während der gesamten Ausbildung haben die Jugendlichen jeden Vormittag ein mindestens zweistündiges Training auf den nahe gelegenen Sportplätzen wie dem Hardhof zu absolvieren. Abends wird im Stammklub trainiert.

Oldrich Svab, Mitinitiant der Football Academy und ehemaliger Trainer zahlreicher Fussballklubs wie GC, ist überzeugt, dass viele Fussballtalente vor allem in kleinen Vereinen in der Schweiz unentdeckt bleiben wegen der mangelnden Förderung. Eltern, die Wert auf eine berufliche Ausbildung legten, liessen ihr Kind nicht nur auf den Sport setzen. In der neuen Fussballschule seien nun Training und Berufslehre in einem möglich. Bereits hat er ehemalige Profifussballer und Trainer wie Urs Schönenberger oder Martin Brunner für die morgendlichen Trainingseinheiten der Lernenden gewinnen können.

Die Ausbildung an der Privatschule kommt pro Lernenden auf ein Total von 78 000 Franken zu stehen. Die Initianten der Schule hoffen auf Förderungsbeiträge der Fussballklubs der jugendlichen Talente sowie auf private Sponsoren. Langfristig sei eine Subvention durch den Kanton angestrebt, sagte Furrer. In den nächsten Wochen beginnen die Sichtungstrainings, in denen Knaben und Mädchen ausgesucht werden, die ab Mitte August die Football Academy Zurich besuchen dürfen. Das vom Kanton vorgeschriebene Maximum von 48 Lernenden wird dieses Jahr kaum erreicht. Furrer rechnet aufgrund der späten Auswahlverfahren mit etwa 20 Jugendlichen im ersten Schuljahr.