Tages-Anzeiger 22. Oktober 2008
Bei prominenten Trainern Eindruck schinden
Die Football Academy Zürich sichtete während fünf Tagen auf der Sportanlage Hardhof Talente. Trainiert wurde zweimal täglich bei professionellen Bedingungen.
VON DAVID SCHWEIZER
«Ich glaube nicht, dass dieser Tee noch aufgekocht wird», ruft Oldrich Svab, Technischer Leiter der Football Academy Zürich, beim Verlassen der Mensa in der KV Zürich Business School bestimmt in die Runde der jungen Fussballer. Die Talente haben eben das Mittagessen beendet und wollten sich auf den Weg zum Nachmittagstraining machen. Einen Moment später entsorgt der Sünder die auf dem Tisch liegengebliebene Eistee-Pet-Flasche.
Disziplin und Ordnung sind für Svab oberstes Gebot. Am Mittagstisch tauscht sich der frühere Technische Leiter des FC Basel und der Grasshoppers sowie Torhütertrainer Stefan Huber aus. Über die Mittagszeit habe er als junger Spieler mit Svab jeweils zusätzlich trainiert, erinnert sich der frühere Nationalgoalie. Dieser Eifer zahlte sich aus: Huber sicherte sich einen Stammplatz bei GC und machte eine beachtliche Karriere als Profifussballer. Nina Roschi, Goalie beim Nationalliga-B-Klub Worb, und Eseosa Aigbogun, B-Juniorin bei den Frauen des FC Zürich, hören interessiert dem Gespräch zwischen Svab und Huber am Tisch zu. Die beiden sind die einzigen zwei jungen Frauen unter den 21 Talenten, die sich bei der Testwoche auf der Sportanlage Hardhof für die Football Academy Zürich empfehlen wollen.
Traum von der Profikarriere
Zweimal täglich bittet Svab zum Training. Er konnte neben Stefan Huber mit Martin Andermatt (zuletzt Young Boys), Salve Andracchio (YF Juventus), André «Bigi» Meyer (Kriens) und dem ehemaligen rumänischen Nationalspieler Gabor Gerstenmaier (Brühl) prominente Fussball-Lehrer für die Einheiten gewinnen. Und die Jung-Kicker sind begeistert: «Es gefällt mir gut», sagt Elia Fantinel, der in der U-15 von Red Star spielt. Er will wie Luca Crusi die Aufnahme in die Football Academy schaffen. «Ich kann mithalten», ist der Junior von YF Juventus überzeugt. Und er träumt von einer Karriere als Profi-Fussballer.
Drei Kriterien für Aufnahme nötig
«70 bis 75 Prozent der Spieler bringen die fussballerischen Qualitäten mit», sagt Oldrich Svab. Dies alleine reicht aber noch nicht aus. So sind auch noch Aufnahmetests bezüglich der schulischen Eignung sowie ein Gesundheitscheck in der Sport Clinic Zürich nötig.
Erst wer alle drei Kriterien erfüllt, kann im nächsten Sommer die Football Academy Zürich besuchen. Einen guten Eindruck gewonnen hat auch Roman Lienhard, der bei den Blue Stars in der Meisterklasse der C-Junioren spielt. «Es gefällt mir. Und auch im schulischen Bereich sollte ich keine Probleme haben.» Volle Unterstützung bekommt der 14-Jährige von seinen Eltern. «Roman ist fussballverrückt und schulisch gut», verrät seine Mutter Marianne am Training.
Leistungssport und Schule kombinieren
Die Football Academy Zürich vereint die fussballerische, schulische, und berufliche Ausbildung junger Talente. Gemeinsam mit der KV Zürich Business School wurde ein Ausbildungsmodell entwickelt, welches es den Lernenden erlaubt, Leistungssport und Schule miteinander zu kombinieren. Vom 8. bis 12. Dezember findet eine zweite Testwoche auf der Sportanlage Hardhof statt. Das erste Schuljahr startet am 17. August 2009.Die tragenden Kräfte bei der Football Academy Zürich neben Oldrich Svab sind der Rechtsanwalt und Sportlehrer René Furrer, der ehemalige Gemeinde- und Kantonsrat Werner Furrer sowie der Sportmarketing-Spezialist Vittorio Jenny. (TA)