Tages-Anzeiger 4. September 2008
Harziger Start für die Fussball-Akademie
Die Football Academy Zürich kämpft mit Schwierigkeiten. Für die Testwochen haben sich nur eine Handvoll Jugendliche gemeldet. Auch die Finanzierung bereitet Probleme.
Von Daniel Zumoberhaus
Die Football Academy Zürich, die neue Fussballschmiede für unentdeckte Talente mit Flair für Zahlen, kommt nur schwer in die Gänge. Die grössten Anstrengungen müssten für die Finanzierung der jungen Fussballtalente unternommen werden, sagte Sportlehrer René Furrer am Dienstag an einer Medienkonferenz in der Hochschulsportanlage Fluntern. Furrer ist Geschäftsführer der Football Academy Zurich (FAZ), die Jugendliche ab Herbst 2009 an der KV Zürich Business School am Escher-Wyss-Platz zu Kaufmännern und Kauffrauen ausbilden wird. 78 000 Franken kostet die vierjährige Ball- und Büffelzeit. Die Finanzierung sei zwar Sache des Schülers und dessen Familie, man werde sie aber wo immer möglich unterstützen, so Furrer. Ihm ist klar, dass diese 78 mit drei Nullen hintendran abschreckend auf Eltern wirken kann.
Partizipation an allfälligem Transfer
Da die FAZ vom Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Zürich anerkannt ist, sei die Ausbildung unterstützungsberechtigt, sagt Furrer. Er denkt an Stipendienfonds, Stiftungen oder Ausbildungskredite für die Lernenden. Er hofft, dass die Fussballklubs ihren Beitrag an der Ausbildung beisteuern werden. Und private Investoren könnten diese mitfinanzieren und erhielten womöglich einen «Return on Investment», sagt Furrer. Dies in Form einer Rückzahlung oder einem Anteil an einem allfälligen Transfer.
Die Sporttalente werden vormittags jeweils während zweier Stunden von eigenen Trainern wie etwa Ex-Thun-Coach Urs Schönenberger, Ex-Nati-Goalie Stefan Huber oder YF-Juventus-Trainer Salvatore Andracchio ausgebildet. Oldrich Svab, die tschechische Fussballlegende mit GC-Vergangenheit, zeichnet für den sportlichen Bereich verantwortlich. Die Förderung des eigenen sportlichen Talents der FAZ-Absolventen solle im Vordergrund stehen. Svab: «Wir wollen auf die Spezialitäten der Jugendlichen eingehen und sie sowohl im individuellen wie auch taktischen Bereich kreativ fördern.» In Grossklubs wie GC, FCZ oder FC Winterthur würde zuviel im Kollektiv gearbeitet. Svab betonte, wie wichtig es für Eltern sei, einen Plan B präsentieren zu können, falls es mit der Fussballkarriere ihres Kind nicht klappt. Ein Barnetta oder ein Frei hätten ihre Ausbildung ebenfalls abgeschlossen, was ihnen offensichtlich nicht geschadet habe, sagte Svab. Auch die örtlichen Verhältnisse sieht der Fussballexperte als grossen Vorteil. Das KV liegt nur wenige Tram- oder Busminuten vom Hardhof oder vom Juchhof entfernt. Positiv wertet er zudem die Tatsache, dass die Jugendlichen ihr soziales Umfeld nicht verlassen müssen.
Auch FCZ-Legende Fritz Künzli oder Ex-GC-Profi Raimondo Ponte bekundeten mit ihrer Teilnahme an der Veranstaltung vom Dienstag ihr Interesse für die FAZ. Und Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld hat sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt als Mentor geoutet. Künzli wollte wissen, was mit hochtalentierten Fussballern mit schwachen schulischen Leistungen passieren werde. «Ein Superspieler kann auch ohne Ausbildung Profi werden», so Furrer.
Svab wie Furrer lassen sich nicht beirren. Mit bis zu 48 Schülern rechnen sie, welche die sportliche und berufliche Ausbildung im nächsten Schuljahr anpacken werden. Die Aufnahmeprüfungen finden noch in diesem Jahr statt. Und bereits im Oktober startet eine Fussball-Testwoche. Bis zum jetzigen Zeitpunkt liegen fünf oder sechs Anmeldungen vor.
